Arbeit

"In der Welt der Farben beschloß ich vom Staub des Alltags mich zu befreien"
(
Stefan George)

Vor der Arbeit steht die Aufmerksamkeit, die man dem Material zu schenken bereit ist, die Liebe zum Detail und zu seiner Einmaligkeit. Daher versuche ich die meisten Stoffe als Rohgewebe / Strick einzukaufen, das heißt weder gefärbt noch ausgerüstet. Hier beginnt nun meine Arbeit.
 

Der Stoff

Wollstoff ist mein Lieblingsmaterial: Ich arbeite hauptsächlich mit Wollstoffen, die nicht chemisch ausgerüstet sind. Da kann durch Walken, Filzen, Bürsten, Kochen noch Struktur und Dichte verändert werden. Erst dann entfaltet das Material seine ganze Eigenwilligkeit, ob fließend oder fest, ob mit feinen, kleinen Strukturen oder gröber und stark gemustert. Seide bringt Leichtigkeit in meine Arbeiten.

Das Wort "Kleid" bedeutete ehemals Tuch, also der Stoff, aus dem das Kleid gefertigt wird. Die Tuchfühlung, so weiß der Volksmund, entscheidet über die Nähe, die man zu einer Person einnehmen kann, und ein Blick genügt, um zu wissen, wie betucht jemand ist.
 

Die Farbe

Der Stoff wird mit Alaun oder Weinstein vorgebeizt und anschließend einige Tage feuchtgelagert. Nun erhält er seine Farbe mit Hilfe von Blättern, Wurzeln, Cochenille-Läusen, Baumrinden, Flechten und vielem mehr. Zu den wohl ältesten Substanzen zählt die Krappwurzel, sie ergibt ein erdig warmes Rot, ferner Cochenille-Läuse für ein leuchtendes Rot, Reseda für Zitronen-Gelb und Indigo für ein sattes Blau. Meine Lehr- und Wanderjahre in Europa und Südamerika, wo ich ansässige traditionelle Färber aufsuchte und von ihnen lernte, daran anschließende Studien der einheimischen Pflanzenwelt gemeinsam mit einem Biologen ermöglichten es mir, eigene Färbe-Experimente zu machen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Unser Wort Farbe stammt aus dem Arabischen und bedeutete ursprünglich "Pelz". Tatsächlich erhält der Stoff durch das Färben mit natürlichen Mitteln eine Art Patina, die seinen Charakter unterstreicht und durch häufiges Tragen gewinnt.
 

Das Kleid

Das Kleid braucht einen Schnitt. Es soll tragbar und schön sein und die Individualität und Eigenwilligkeit der Trägerin unterstreichen — oder sie verwandeln. Der Wollstoff mit seinen lebendigen, tiefen Farbflächen und der manuellen Ausrüstung wärmt nicht nur den Körper, seine Wärme wirkt auch optisch. Die Seide mit ihrem leichten und klaren Charakter gibt den Farben ein angenehmes Leuchten und lässt fließende Schnitte zu. Durch die Kombination aus beiden Materialien — z.B. auf Wolle applizierte Seide — entstehen ungewöhnliche Spannungsfelder. Beim Zuschneiden der Stoffe versuche ich, so weit wie möglich auf ihre Eigenwilligkeit und Einmaligkeit einzugehen und sie zu betonen. So eröffnet sich ein Feld für immer neue Spielarten und Kombinationen.


Das Objekt und das Bild

Objekte und Bilder entstehen aus Elementen, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Aquarellfarben und Pigmente, gefärbte und bemalte Woll- und Seidenstoffe, kleine Fundstücke aus Holz, Eisen und Stein. Auf der Suche nach Verbindendem interessiert mich die Spannung, die beim Zusammenfügen verschiedener Materialien entsteht ohne sich diese gefügig zu machen. Im Gegensatz zwischen Einzelnem und Gesamtem ergeben sich neue, unerwartete Aspekte der Farben und Formen.